Ein Hundeleben

Leider währt so ein Hundeleben nicht ewig und in der Regel deutlich kürzer als das Unsere. Aber dieser kleine Hund hat uns so viele wunderbare Momente und Kraft geschenkt, dass ich hier nun seine Geschichte kurz erzählt. Sie ist nicht besonders dramatisch oder spannend, aber ich denke, sie zeigt, wie sehr ein Hund das Leben seiner Menschen bereichern kann (und umgekehrt!).

Nachdem wir 26 Jahre lang Staffordshire Bullterrier hatten (der letzte ist 1997 ebenfalls im Alter von 16 Jahren verstorben), wollten meine Eltern keinen Hund mehr und wenn, dann nur wieder einen Staffie. Da die aus gezielten Fehlinformationen bestehende Hetze von BILD und Co. in Stürmer-Manier nun aber langsam Wirkung zeigte, war das Thema „Hund“ damit in unserer Familie erst mal erledigt.

Aber dann! Die Geschichte begann im Jahr 2000 wie so viele Hundegeschichten: „Der Nachbar vom Hermann hat Welpen. Lass uns nur mal kurz gucken fahren“, schlug mein Vater uns – in erster Linie meiner Mutter – vor. Die ahnte wohl schon, was passieren würde und lies sich nur widerwillig dazu überreden. Wenige Wochen später kam Eddie als Welpe zu uns. Wenn auch kein Staffie, wenigstens ein Terrier, ein Parson Russell Terrier. Er blieb allerdings in erster Linie der Hund meines Vaters, der aufgrund einer Krankheit nicht mehr arbeiten durfte und das Entwicklungsfeld in der Automobilbranche gegen die Pflege von Haus und Hof tauschen musste.

[Weitere Bilder aus analogen Zeiten werden folgen!]

Das Tolle an diesem Hund war, dass er immer für Blödsinn aufgelegt war, bzw. jeden Quatsch mit Begeisterung mitgemacht hat (Hauptsache es gab genug Aufmerksamkeit!). Er war eben typischer Terrier, der sich manchmal auch zu unserem Verdruss seine eigenen Gedanken zu unseren Plänen gemacht hat. Dabei war er aber so ein Sonnenschein, dass man ihm nie wirklich böse sein konnte. Vor allem, wenn man bedenkt, dass er für einen Terrier wirklich gut gehört hat und unter anderem abrufbar bei flüchtendem Wild war oder in der Stadt auch ohne Leine „beifuß“ gehen konnte. Hier ein paar Fotos, die den Schelm im Hund zeigen:

Leider litt auch der Hund offenbar psychisch sehr unter der Krankheit meines Vaters und den daraus resultierenden Druck auf unserer Familie. Er schien genau gewusst zu haben, was bei uns in der Familie los ist. Es ist wirklich erstaunlich, wie emphatisch ein Tier sein kann! Er hat es versucht uns aufzufangen, aber leider gingt es nicht immer spurlos an ihm vorrüber, so dass er sich zeitweilig an den Pfoten und am Bauch wundleckte. In diesen Zeiten kam er dann zu mir in die Studentenwohnung – sozusagen auf Kur.

Nachdem mein Vater nach schwerer Krankheit verstorben war, verbrachte der Hund sehr viel Zeit bei mir und musste als „Übungsobjekt“ für meine beginnende Foto-Leidenschaft mit meiner ersten „vernünftigen“ Kamera herhalten, was seinem großen Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und meiner Suche nach einem willigen Modell sehr entgegen kam. Daher gibt es auch seit dieser Zeit eine so große Anzahl an Fotos von diesem Hund, von denen ich hier eine kleine Auswahl zeige.

Krümel und Eddie

Krümel und Eddie

Da er schon als Welpe sehr gut sozialisiert wurde und eine Vielzahl großer und kleiner Hunde, Rüden wie Hündinnen kennen gelernt hat, liebte er es mit seinen Hundekumpels, die zum Teil viel größer waren als er selbst, herumzutoben. Und das obwohl er nicht kastriert war, was mal wieder zeigt, dass gutes Benehmen i.d.R. eine Frage der Sozialisation und Erziehung ist – auch bei Hunden.

Seine große Liebe war dabei wohl die Hündin einer Freundin, Mischlingshündin Leonie, die leider auch schon von uns gegangen ist. Sie war schneller als er, was er gar nicht verstehen konnte und dieses immer mit laut hörbaren Grummeln während des Rennens kommentierte:

Die ganz ganz große Liebe waren aber Bälle und Stöcke, die nicht groß genug sein konnten. Welcher Terrierhalter kennt das nicht? Selbst im Kino u.a. bei „Dr. Doolittle“ oder „Snatch“ findet sich die Ballneurose der Terrier zu Bällen und anderen mehr oder weniger quikendem Gummispielzeug.

Immer mitten im Leben, wurden alle Aktivitäten von „seinen“ Menschen genau „überwacht“. Ob nun gegärtnert wurde oder, für einen Hund natürlich viel spannender, frisch erlegtes Wild für die Küche vorbereitet wurde. Es könnte ja dabei was für den Hund abfallen – wobei für mich rohes Fleisch für den Hund tabu ist. Auch wenn überzeugte Barfer mich jetzt steinigen wollen, aber wenn der Hund im Haus lebt sollte man sich im Klaren sein, was alles für Keime und Parasiten mit rohem Fleisch übertragen werden können – nicht nur bei Wild! Eine ausgewogene Ernährung ist auch gegart möglich, wie man allein daran sieht, wie lange der Hund fit geblieben ist.

Wieder Zuhause, aber noch mit Brustpanzer

Wieder Zuhause, aber noch mit Brustpanzer

Leider wurde er 2011 von einem großen Rüden gepackt und geschüttelt. Sechs Rippen waren durchgebissen oder abgerissen und ein faustgroßes Loch klaffte in seiner Lunge. Er hat es knapp überlebt, aber innerhalb von zwei Tagen in der Tierklinik das gesamte weibliche Personal um den Finger gewickelt (Bekannte wird das kaum erstaunen).

Waldjugendspiele

Waldjugendspiele

Auch bei den Waldjugendspielen des Hegerings Werlte kam Eddie jahrelang mit. Ziel der Spiele ist es, Grundschulkindern in der Gemeinde die heimische Natur- und Tierwelt näher zu bringen, sie dafür zu begeistern und sie für ihre Belange zu sensibilisieren. Eddie lies sich dann an der Station „Früchte des Waldes durch Tasten erkennen“ jedes Jahr von etwa 200 (!) Kindern durchknuddeln. Er hatte dort einen Rückzugsraum hinter dem Tisch, der wurde aber freiwillig nur aufgesucht, wenn gerade keine Kinder kamen… Ansonsten konnten nicht genug Kinder da sein!

Aber selbst im hohen Alter von 13 Jahren war er immer noch zu Spielchen mit anderen, jungen Hunden aufgelegt – insbesondere, wenn auch noch junge Hündinnen in der Nähe waren.

Aber, obwohl immer in aktiver Hund, spielte das „kuschelige Plätzchen“ immer eine ganz besonders wichtige Rolle. Kalt oder hart ging gar nicht – überhaupt nicht! Der Hund war eine „Indoor-Memme“ 😉 . Je weicher und wärmer das Kissen, um so besser! Zur Not wurde nachgeholfen und Polstermaterial aufgetürmt!

Leider forderte der schwere Unfall seinen späten Tribut in Form einer sich im letzten Jahr verstärkenden Demenz (dass Hunde so etwas bekommen können, war mir bis dahin neu). Das Kapitel hatte leider nur zu Beginn komische Züge, doch je weiter der geistige Abbau voran schritt, desto schwieriger wurde der Umgang damit.

Geboren am 08.05.2000 trat unser Hund nun am 19.02.2016 seine letzte Reise an.
Wir werden ihn sehr vermissen!

[Weitere Bilder aus analogen Zeiten werden folgen!]

Buchtipp:

Flattr this!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.