Um einen Einblick in die Entwicklung der Natur des Hümmlings zu bieten habe ich hier mal zusammengetragen, was ich im Internet, Büchern und anderen Quellen an Aussagen über Klima, Tier- und Pflanzenwelt gefunden habe. Die Liste ist bestimmt nicht vollständig und die Qualität der Quellen ist leider auch nicht immer einzuschätzen. Allerdings scheint es der damaligen Situation schon recht nahe zukommen. Die Liste wird sukzessive weiter ergänzt und überarbeitet.

16. Jahrhundert

1557

  • Im Oktober blühen die Bäume und Sträucher zum zweiten mal.

1586

  • Sehr milder Winter mit Baumblüte im Januar/Februar.

17. Jahrhundert

1606

  • Fasanen werden vom Grafen Günther in Oldenburg eingeführt.

1621

  • Hundert in den Sumpfgebieten der Ohe bei Lorup gefangene Graureiher werden an den Rhein verfrachtet.

1646-47

  • Bei den Bauernnöten des 30jährigen Krieges hat sich das Wild im Hümmling derartig vermehrt, dass Bewohner von Börger und Werpeloh, den endlosen Rudeln von Rot- und Schwarzwild weichend, ihre Felder preisgeben. Nach Werpeloh hin wollte keine Frau mehr heiraten.

1666

  • Die Pest rafft die Bewohner Spahns bis auf acht Personen dahin.

1696

  • 8.Mai: Ein Erlass Ernst Augusts spricht von ausgesetzten Fasanen im Kurfürstentum Hannover.

18. Jahrhundert

  • Jeden Februar finden im Emsland bis zur Jahrhundertwende große allgemeine Wolfsjagden statt.
  • Zigeuner und Scherenschleifer treiben auf dem Hümmling ihr Unwesen, so dass Einzelhöfe verlassen werden und viele Dörfer sich mit Schutzwällen aus Baumstubben umgeben müssen.
  • Auf dem gesamten Hümmling ist kaum noch Wald vorhanden.

1704

  • Eine welfische Anordnung stellt den in freier Wildbahn lebenden Höckerschwan durch Strafandrohung von 50 Reichstalern unter Schutz.

1719

  • vom 26.Mai bis 1. Oktober fällt im Osnabrückschen kein Tropfen Regen.

1720

  • Kiefern sind im südlichen Emsland und im Berßenbrückschen noch völlig unbekannt. Ein Fürstenauer Bürgermeister bringt Kiefernsämlinge als fremde Seltenheit von einer Reise mit heim.
  • Eine Verordnung sucht vergeblich das Moorbrennen im Emsland zu verhindern; der Bauer brennt doch und zahlt lieber Strafe.

um 1737

  • Der Kurfürst Clemens August betreibt auf dem Hümmling mit Vorliebe die Reiherbeize.

1744

  • Friedrich der Große befiehlt allen preußischen Gebietsteilen Westfalens nachdrückliche Spatzenbekämpfung.

1749

  • Der letzte Steinadler wird bei Wieste (Werlte) erlegt

um 1750

  • Die ganze männliche Bevölkerung des Amtes Meppen wird alljährlich als Treiber bei den fürstlichen Jagden im Hümmling aufgeboten. Der Kessel, deren Mittelpunkt das ehemalige Dorf Wahn ist, hat über 40 km Durchmesser und liefert immer gewaltige Strecken.
  • Die noch im 30jährigen Krieg sehr empfindlich vorkommende Wolfsplage ist durch große gemeinsame Jagden, zu denen jeweils mehrere Ämter aufgeboten wurden, stark eingedämmt.
  • Der früher in häufige Biber ist selten geworden.
  • Die graue Wanderratte beginnt ihr Vordringen

1776

  • Einer der letzten Wölfe Ostfrieslands wird von Harm Claßen aus Coldinne erlegt.

1780

  • Der Lachs steigt in der Hase im allgemeinen noch bis Quakenbrück auf; 1764 jedoch erreichte er ausnahmsweise Osnabrück.

1787

  • Auerhahn und Trappe kommen noch in der Grft. Lingen vor, sie sind aber “rar”, Wölfe fehlen.

19. Jahrhundert

  • Der Mischwald unseres Klimas wird von der Wirtschaft ausgebeutet, sie beseitigt große Teile und macht aus dem Rest geometrisch geordnete Balkenplantage. Die aus Nadelholz bestehenden, unterholzarmen Forsten mit schematischen Kahlschlag verändern und versauern den Boden derart, dass er meist für eine andere waldbauliche Nutzung nicht mehr geeignet ist.
  • Massen von Wein-, Sing- und Wachholderdrosseln fallen alljährlich auf dem Zuge im Harz, Hümmling und im Emsland dem “Dohnenstieg” zum Opfer.
  • Über die Lingener Emsbrücke wandern in jedem Frühling mehr als 25.000 “Hollandgänger” aus Hannover und Westfalen gegen Westen.

Um 1800

1813

  • Als Folge drückender Jagdgesetzte zu Napoleons Zeiten vernichtet man nach seinem Sturz um Sögel in einer Woche das Rotwild restlos.

1820

  • Der Hering ist an unserer Wattküste so häufig, dass man mit dem überreichen Segen die Felder düngt.
  • Die Regulierung der Ems beginnt.

1824

  • Die Haubenlerche tritt erstmalig im Oldenburgischen auf; zunächst noch sehr vereinzelnt, 1853 jedoch schon sehr zahlreich.

1830

  • Rückkehrende “Hollandgänger” bringen Cholera und Blattern ins Emsland.

um 1840

  • Im Osnabrückschen ist die Blauracke noch häufig.

1842

  • Im Ottenser Revier (heute zum Forstamt Haste gehörig) ist ein Drittel des Rehwildbestandes schwarz.
  • Die Hase ist bis Hölze (zw. Haselünne und Löningen) schiffbar.

um 1850

  • Im Hannoverlande scheinen Wildkaninchen selten zu sein, wogegen sie auf den ostfriesischen Inseln massenhaft auftreten, so dass ihre Vernichtung 1869 regierungsseitig mit Erfolg angeordnet wird.

1850

  • Die herbstliche Waldmast des hannoverschen, noch halbwilden Weideschweines geht durch Zucht von Schweineschlägen, die nur in Ställen zu mästen sind, dem Ende zu.

1861

  • Das Amt Hümmling zählt noch 72.000 Heidschnucken.

1862

  • Im Hümmling sind noch 80% des Bodens unkultiviert.

1866

  • Der letzte, Deutschlands altes Jagdbrauchtum hegende, hannoversche Jägerhof endet.

1871 9. Mai

  • Die Flugsanddämpfung im Emsland erhält durch preußische Polizeiverordnung neuen Antrieb; praktische Durchführung durch den Arenbergischen Forstinspektor Clauditz befestigt in sechs Jahren 2.422 ha. So werden in der Folge aus den nur 3.000 ha emsländischen Kümmerwaldes (um 1800) bald 10.000 ha Kulturwald.

1872

  • Die Gemeinde Börger forstet 200 ha Flugsandflächen mit Kiefern auf.

1876

  • Bienenfresser werden bei Loyerberg (Oldbg.) beobachtet.

1878

  • In der Oldenburger Marsch wird ein Silberreiher erlegt.

1888

  • Das Reichsvogelschutzgesetz wird erlassen.

1897

  • Wolken von Kriebelmücken quälen 15 Stück Rindvieh bei Löningen zu Tode; viele andere sind durch Stiche schwer krank.

1899

  • Das in der Mongolei 1837 in den Dresdner Botanischen Garten eingeführte kleinblütige Springkraut (Impatiens parviflora) brach dort aus. 1899 tritt es bei Bremen massenhaft auf und ist heute eines unserer verbreitetsten Waldunkräuter.

20. Jahrhundert

  • Die nordamerikanische Regenbogenforelle wird bei uns eingeführt.
  • Amseln besiedeln immer mehr unsere Städte.
  • Etwa ab 1895 vernichtet die Krebspest fast alle Flusskrebse Niedersachsens außer in der Hase und ihren Zubringern.

1903

  • Die einstige scheue Waldbewohnerin, die Ringeltaube, verliert völlig ihre Stadtscheu

1904

  • Erlass des Preußischen Wildschongesetzes.

1909

  • Die Nonnenraupe schädigt den Karlswald bei Haselünne.
  • Der 11.000 Morgen große Eleonorenwald zwischen Vrees, Markhausen und Gehlenberg wird mit 2 m hohen und 30 km langen Drahtzaun zu einem mit 150 Stück Rotwild besetzten Gehege umgewandelt.

1910

  • Die früher häufige Wachtel weicht in dem stets steigendem Maße der neuzeitlichen Verfahren der Unkrautbekämpfung.

1925

  • Die Wacholderdrossel breitet sich als Brutvogel bis zur Linie Oldenburg-Osnabrück aus.

1927

  • 1. Juni: Wirbelsturm in Emsland

1928/29

  • Ein ungewöhnlich strenger Winter schädigt mit -32 Grad die Lebewelt schwer.
  • hungergeschwächte Wildgänse und Greifvögel kommen in die Dörfer, wo viele Haustiere in den Ställen erfrieren;
  • Ginsterbüsche erfrieren vielerorts und Kartoffeln in den Mieten; der Frost dringt 1,70m tief in den Boden.
  • ein Starker Flug von Großtrappen stößt im Winter bis nach Juist vor.

1931

  • Die aus Nordamerika Stammende Bisamratte, die 1905 bei Prag ausgesetzt wurde, gelangt erstmals nach Niedersachsen; ein Stück wird bei Celle erschlagen.

1934

  • Zahlreiche Eulen, Bussarde, Habichte, Rebhühner, Hasen und scharen von Kleinvögeln fallen zur Mäusebekämpfung ausgelegtem Giftweizen und vergifteten Mäusen im ganzen Gebiet zum Opfer.

1941

  • Die Zahl überwinternder nordischer Zwergschwäne nimmt von nun an im Emsland stark zu.
  • Die Fangstelle für Glasaale in der Ems unterhalb Herbrums wird ausgebaut und liefert dann ganz Deutschland Aalbrut.

ab 1945

  • Um Schwarzwild erfolgreich von Kartoffeläckern fernzuhalten, wird mancherorts in deren Nachbarschaft die vom Wild bevorzugte Knollenfrucht Topinambur angebaut.
  • Die überall in Niedersachsen auftretenden Wildschäden beruhen auf den Jagdwaffenentzug durch die Besatzungsmacht; neben Schäden in der Feldmark treten dadurch auch Schäden im Wald auf.

1947

  • In Niedersachsen und Hamburg wird je ein Bisamjäger angestellt und in Sehnde ein “Landesstelle für Bisamrattenbekämpfung für die britische Besatzungszohne” errichtet.

1948

  • Niedersachsens Schwarzwildbestand ist infolge mangelhafter Bejagung auf das Achtfache gestiegen; Im Vorjahr entstand deshalb ein Schaden von 3,5 Mrd. Mark.
  • Der Girlitz hat sich bis zur Linie Meppen- Nordhorn ausgebreitet.

um 1950

  • Der Wiedehopf, der vor 100 Jahren in Niedersachsen nicht selten, inzwischen aber so gut wie verschwunden war, wird wieder häufiger beobachtet.
  • Im 2.500 ha großen Herzoglichen Wildpark der Gemeinde Vrees äsen 500 Stück Rotwild.
  • Etwa 80 % der letztjährigen Storchenbestände sind nicht ins niedersächsische Tiefland zurückgekehrt.

1952

  • Im Kreis Aschendorf-Hümmling leben ca. 600 Stück Birkwild. Moornutzung und -kultur engen den Lebensraum dieser Wildhühner weiter ein.
  • Jäger erhalten von der Besatzungsbehörde wieder volle Jagdhoheit.

1970

  • Der letze Weißstorch brütet in Auen

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