Tunschere

Tunscheren zu Neujahr – ein alter Brauch

Der Brauch Tunscheren herzustellen ist seit mindestens dem 11. Jahrhundert überliefert. Tunscheren werden zwischen Weihnachten und Dreikönige hergestellt.  Das erfordert einiges an Geschicklichkeit, was nicht jedermanns Sache ist. Man benötigt 20 bis 40 cm lange, trockene Stäbchen aus dem Holz des Faulbaums. Dazu werden Späne mit einem scharfen Messer von unten nach oben von der Oberfläche gekratzt, bis ein dichtes Kräuselwerk „Krüllen“ entsteht.

Diese Holzblumen werden auf vorgefertigten Birkenholzstücken von 20 – 30 cm Länge und 10 und 15 cm Breite befestigt. Halbkreisförmig gebogene dünne Weiden wölben sich darüber und ergeben im Ganzen die Tunschere, die dann noch mit buntem Krepppapier verziert werden kann. Der Phantasie sind bei der Gestaltung keine Grenzen gesetzt. Auf den vier Stäbchen stecken Äpfel. Früher war es üblich, dass eine brennende Kerze in der Tunschere stehen musste.

Am Abend vor Dreikönige tragen die Kinder die Tunschere zu Verwandten, Freunden und Nachbarn. Unterwegs singen Sie:

Stern, du musst nicht stille stahn,

Sollt mir uns nach Bethlehem gahn;

Bethlehem ist die heil’ge Stadt,

Wo Maria und Joseph mit dem Kindelein Jesu satt.

Beim Betreten des Hauses grüßen die Kinder:

Guten Abend, miene Herren!

Wi wull’n Jou wall’n Tunschere verehren.

Latet uns nicht lange stahn,

Wie mött‘ noch ’n Hüsken wiedergahn!

Aber auch dem Liebesglück halfen die Tunscheren auf die Sprünge. Dazu haben die jungen Männer abends herausgeputzt eine Tunschere zum Haus ihrer Auserwählten gebracht. Dort stellt der junge Mann die Tunschere heimlich auf einen Stuhl und verschwindet wieder. Alle im Haus eilen dem „Eindringling“ dann nach, der sich gerne „erwischen“ lässt. Dann geht es im Triumph in die „Beste Stube“, wo gesessen und getrunken wird. Auf dem Heimweg muss der Freier versprechen, am nächsten Tag wieder zu kommen. Er nimmt die Einladung gerne an, weiß er doch, dass seine Bitte um die Hand seiner Auserwählten dann nicht vergebens sein wird .

Heute gehört dieser schöne Brauch leider der Vergangenheit an. Es ist zu hoffen, dass er dennoch überlebt und neue Freunde findet.

Literatur

Flattr this!