Globale Umweltprobleme: Landwirtschaft spielt Schlüsselrolle

Untätigkeit der Politik trotz dramatischer Lage – BÖLW ruft zu politischem Handeln auf.

Berlin, 5.11.2010| Bei Biodiversität, Stickstoff-Kreislauf und Klimawandel haben wir die Grenzen dessen, was menschliches Leben auf Dauer ermöglicht, bereits deutlich überschritten. „Dieser Tatsache müssen sich Politik und Gesellschaft gleichermaßen stellen. Für die Landwirtschaft bedeutet das: Dem Öko-Landbau als nachgewiesenermaßen nachhaltigem System der Landbewirtschaftung den Vorrang einzuräumen, die Anforderungen an Tierschutzstandards deutlich anzuheben und an kritischen Schlüsselfaktoren wie Stickstoffüberschüssen und aus Übersee eingeführten Eiweißfuttermitteln anzusetzen.“ So lautet das Fazit, das Vorstandsvorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein auf der Herbsttagung des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft zog, die sich dem Thema Recht auf Nahrung und Belastungsgrenzen des Erdökosystems widmete.

„Wir müssen alle Ansätze danach bewerten, wie groß ihr Beitrag zum Schutz der natürlichen Ressourcen und zur Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung ist und radikale Maßnahmen ergreifen, um die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen wirksam zu beenden“, so Löwenstein. „Nur wenn sich auf diese Weise die Preise den tatsächlichen Kosten annähern, kommen wir zu einem Ernährungsstil, den unsere Erde auf Dauer aushält.“ „Auch die Forschung muss sich an ihrem Beitrag zur Lösung der globalen Probleme messen lassen und darf sich nicht nur auf die einseitigen Empfehlungen eines fast ausschließlich mit agrarindustriellen Vertretern besetzten Bioökonomierates stützen“, ergänzte Alexander Gerber, Geschäftsführer des BÖLW.

Wie sehr das Erdökosystem in Gefahr ist und wie sehr nicht nur die Ernährung, sondern auch das Überleben der Menschheit in Frage steht, machte Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, in erschreckender Weise deutlich. Anhand einer Studie zu planetaren Belastungsgrenzen zeigte er auf, dass die größten Bedrohungen derzeit vom Klimawandel, vom Verlust der Biodiversität und von der Überdüngung der Erde mit Stickstoff ausgehen. Und: Aufgrund der Trägheit des Erdökosystems müssen schnelle Veränderungen folgen, um beispielsweise den Klimawandel aufzuhalten und innerhalb der Grenze von 2 Grad Temperaturerhöhung zu bleiben. „Machen wir weiter wie bisher, könnte die Erhöhung deutlich mehr als drei Grad noch innerhalb dieses Jahrhunderts betragen. Dies würde das Gesicht der Erde aller Wahrscheinlichkeit nach langfristig ändern: Abschmelzen der Eiskappen und Gletscher, Verschiebung der großen Zirkulationssysteme mit der Folge regionaler Trockenheiten und Überschwemmungen, Auftauen von Permafrostböden, Anstieg des Meeresspiegels, Versauerung und Verarmung der Ozeane, Verlust wertvoller Lebensräume“, erläuterte Schellnhuber. All dies verschärft das Problem der Ernährungssicherung für die Menschen. Aber: Durch geänderte politische Weichenstellung und eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten ließen sich diese Auswirkungen deutlich verringern, eine Umkehr sei jetzt noch möglich, mahnte Schellnhuber. Prof. Schellnhuber hält es für sinnvoll, die Wirkungen des Öko-Landbaus in Modellrechnungen aufzunehmen.

Wie schwer sich die politisch Verantwortlichen damit tun, aus den längst offensichtlichen Erkenntnissen konkretes Handeln abzuleiten, wurde durch die Beiträge der Staatssekretäre aus dem Landwirtschafts- und aus dem Forschungsministerium, Kloos und Rachel deutlich. Sie hinterließen bei den Tagungsteilnehmern den Eindruck, als bestünden nur innerhalb der heute bereits eingefahrenen Gleise Handlungsoptionen. Die explizite Hervorhebung der Biotechnologie unter den zu verfolgenden Fortentwicklungsansätzen durch den Vertreter der Forschungspolitik machte zudem deutlich, dass die Hoffnungen des Ressorts nach wie vor auf diesem Gebiet liegen. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende, Ulrich Kelber, verwies auf die Kaufkraftprobleme der Bevölkerungsgruppen hin, die seiner Partei nahe stünden und auf die daraus resultierende Unmöglichkeit, radikale Veränderungen politisch zu vertreten. Staatssekretär Kloos merkte an, es müsse bedacht werden, wie viel Nachhaltigkeit man sich wirtschaftlich leisten könne.

Etliche Tagungsteilnehmer vertraten in der Diskussion daraufhin den Standpunkt, dass vor allem von einem Engagement der Zivilgesellschaft das erforderliche Umsteuern in Landwirtschafts- und Umweltpolitik zu erwarten sei.

Quelle: Pressemitteilung des BÖLW

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