Man ist, was man isst – wir haben die Wahl!

Ein Lebensmittelskandal jagt im Mai 2011 den anderen: Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) an Sprossen, andere Escherichia coli Bakterien auf deutschen Hacksteaks in Frankreich, Salmonellen auf Hähnchenfleisch. Die Abstände scheinen immer kürzer zu werden. Irgend etwas läuft hier scheinbar falsch.

Letztens beim Einkaufen mussten es mal wieder Zwiebeln sein. Den kurzen Blick auf’s Etikett habe ich mir inzwischen angewöhnt – sicher ist sicher. Manchmal – so auch hier – traut man seinen Augen nicht: Herkunftsland Argentinien. Im nächsten Fach: Neuseeland (eigentlich wollte ich nur Zwiebeln und keine Kiwis). Im dritten Fach: deutsche Zwiebeln, lose und klein – für’s gleiche Geld. Wie kann das sein? Schließlich mussten die anderen Zwiebeln exakt um den halben Globus! Kostet der Transport nichts? Lange Wege sind ja inzwischen normal, aber kollidieren sie nicht gerade bei „Allerweltsgemüse“ wie Knoblauch und Zwiebeln mit unseren Klimaschutzzielen? Zahlen wir den an der Kasse den Preis für das Produkt oder den Transport? Wer zahlt den Preis für den Transport? Wenn eine Zwiebel aus Argentinien oder Neuseeland genauso viel kostet wie eine Zwiebel aus Deutschland, stellen sich doch die folgenden Fragen: Was bleibt den Gemüsebauern in Argentinien oder Neuseeland? Wie sind die Lebensmittel behandelt, damit sie den weiten Weg „frisch“ überstehen? Wer zahlt den Preis für die Umweltauswirkungen, die durch den langen Transport entstehen.

Was sagen solche abstrusen Vertriebswege über ein Lebensmittel aus? Wo kommen unsere Lebensmittel her und durch wie viele Hände gehen sie bis zu uns auf den Teller? Wie kann bei derartig riesigen produzierten und transportierten Mengen (die müssen es ja sein, damit es sich lohnt) die Qualität gewährleistet werden? EHEC, die Sprossen und die Gurken zeigen, dass die eigentliche Quelle für derartige „Blinden Passagiere“ im Nachhinein schwer oder gar nicht mehr auszumachen zu sein scheinen.

Große, zentrale Produktion scheint Lebensmittelskandalen ungewollt Vorschub zu leisten. Eigentlich ein normales ökologisches Phänomen, dass Populationen ein Maximum haben, und zusammenbrechen, wenn dies überschritten wird. Das führt dazu, dass Krankheiten, Keime und Ähnliches mit einem wachsenden Aufwand aus der Lebensmittelproduktion zu drängen sind. Dieser Aufwand sollte den Nutzen nicht übersteigen und so stellt sich die Frage, ob die Grenzen des Wachstums in der Lebensmittelproduktion nicht erreicht sind? Bereitet die dezentrale Lebensmittelproduktion – quasi vor Ort – nicht überschaubare Risiken und mehr Chancen für Landwirte und Verbraucher?

Das heißt nicht, dass man auf tropisches Obst verzichten soll, aber müssen Knoblauch und Zwiebeln wirklich vom anderen Ende der Welt stammen? Ich meine: NEIN! Jeder kann die Etiketten lesen und Gemüse mit dem kleinsten Transportweg auswählen. Das Gleiche gilt für Fleisch. Kurze Wege und lokale Produkte sind in der Regel nachhaltig, dienen meist dem Tierschutz, dem Klimaschutz und der lokalen Landwirtschaft, dass heißt auch dem eigenen Umfeld…

Nicht durch die Apotheke, sondern durch die Küche geht der Weg zur Gesundheit.
(Mikkel Hindhede)

 

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