Vogelgrippe – Zugvögel nicht verantwortlich!

PROVIEH e.V.: Vogelgrippe-Vorkommen in England belegt: Schuld sind Intensivtierhaltung und Tiertransporte – Aufstallungsgebot hat keine Grundlage mehr.

Saatgänse
Saatgänse als Wintergäste

Vogelgrippe wird offenbar nicht durch Zugvögel übertragen, sondern ist ein hausgemachtes Problem der industriellen Intensivtierhaltung. Was Experten schon lange vermuteten und was Landwirtschaftsminister Horst Seehofer und die Agrarindustrie immer leugneten, scheint jedoch nun bewiesen zu sein: Die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) berichtet, dass das im Putenmastbetrieb in der englischen Grafschaft Suffolk aufgetretene H5N1-Virus mit asiatischem Stamm dem entspricht, welches im Januar in Ungarn gefunden wurde. Da die Briten auch in Ungarn Betriebe unterhalten und ihre Tiere auch aus Ungarn beziehen, stehe laut OIE zweifelsfrei fest, dass sich die Vogelgrippe durch Tiertransporte ausgebreitet hat.

„Diese Ergebnisse überraschen uns nicht“, kommentiert Mathias Güthe, Vorstandsmitglied von PROVIEH – Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung e.V. Der vereinseigene Arbeitskreis Tierseuchen, geleitet vom renommierten Kieler Zoologen und Seuchenexperten Prof. Dr. Sievert Lorenzen, hat schon Ende 2005 auf die Zusammenhänge zwischen Intensivtierhaltung und Vogelgrippe hingewiesen. „Nicht etwa das gesunde Freilandgeflügel ist gefährdet und stellt eine Gefahr für den Menschen dar, sondern die krank gezüchteten und krank gemästeten Tiere in den Agrarfabriken“, betont Mathias Güthe.

Der Hahn mit seinem Harem

„Landwirtschaftsminister Horst Seehofer wird sich nun etwas Neues einfallen lassen müssen, um die Freilandhaltung in Verruf zu bringen“, so das Vorstandsmitglied von Deutschlands größtem und ältestem Fachverband für artgemäße Nutztierhaltung. Der Minister hatte nach den ersten Fällen von Vogelgrippe flächendeckende Aufstallungsgebote verhängt und damit vor allem bäuerliche Geflügelhalter und Selbstversorger in Schwierigkeiten gebracht und vielfach sogar zur Aufgabe gezwungen. „Die politisch ungewollte Freilandhaltung ließ sich auf einmal hervorragend durch Panikmache in Verruf bringen“, führt der Rassegeflügelzüchter Mathias Güthe aus.

„Doch damit ist nun Schluss. Nun haben Minister Seehofer und die Agrarindustrie zu erklären, wie sie der Vogelgrippe Herr werden und das Töten von Hunderttausenden von Tieren in Zukunft vermeiden wollen“, so Mathias Güthe weiter. Eines sei aber schon jetzt klar: Das Aufstallungsgebot für Freilandgeflügel entbehre jeder Grundlage und müsse umgehend zurückgezogen werden. „Eine Klage gegen das Gebot wurde bereits geprüft. Wenn Horst Seehofer nichts tut, dürfte der Gang vor Gericht nur noch eine Frage der Zeit sein“, so Mathias Güthe abschließend.

Hintergrund: Tiere aus Intensivtierhaltung haben offensichtlich ein so schwaches Immunsystem, wie es bei Wildvögeln nur in Ausnahmefällen vorkommt. Dies zeigen die seltenen Todesfälle bei Schwänen, die nach dem lang anhaltenden Winter 2005/2006 so geschwächt waren, dass sie an Vogelgrippe starben. Wären Zugvögel tatsächlich Verursacher der Vogelgrippe, hätte es auch im Sommer immer wieder zu spektakulärem Massensterben bei Wildvögeln kommen müssen.

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