Historie der Landwirtschaft auf dem Hümmling

Die Landwirtschaft spielt auf dem Hümmling seit je her eine wichtige Rolle und ist auch heute noch ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Ackerbau

Die Ackerflächen auf dem Hümmling werden traditionell in Esch, Kamp, Feld und Moor unterschieden. Die traditionelle wichtigste Anbauform im Emsland war die sogenannte Plaggenwirtschaft / Eschkultur. Im Gegensatz zu der, in anderen Gegenden verbreiteten, „Dreifelderwirtschaft“ und ähnlichen Brachesystemen liegen hier zusammenhängende Längsstreifenfluren im Zentrum der ringförmigen Eschdörfer, auch Drubbel genannt .

Korn-Blume
Korn-Blume

Diese Esche werden seit der römischen Kaiserzeit über viele Jahrhunderte fast ausschließlich mit Roggen bewirtschaftet . Pollenanalytische Untersuchungen von KRAMM (1978) zeigen, daß schon um ca. 200 n. Chr. geschlossene Roggenvorkommen aufkamen  . So war der Roggen, das „Korn“ schlechthin, und seine Produkte, neben den Erzeugnissen der Schafhaltung, bis ins 19. Jahrhundert das wichtigste landwirtschaftliche Produkt der Region, da die Nährstoffarmut der Sandböden auf dem Hümmling einen geregelten Fruchtwechsel unmöglich machte .

Diese Form der Ackerwirtschaft war nur möglich, weil die Menschen jedes Jahr sehr große Mengen organischen Düngers in Form von Heideplaggen und andere organische Streu als Stalleinstreu verwendeten und dann zusammen mit dem Mist auf die Felder aufbrachten . Esch und Kamp können nach  ganz oder teilweise von Wallhecken umgeben sein .

Die Eschwirtschaft hat viele Dörfer im Emsland seit dem hohen Mittelalter deutlich geprägt. Die so über lange Zeit aufgebauten uhrglasförmigen Esche können leicht eine Mächtigkeit von 1,5 m erreichen . Um die wachsende Bevölkerung zu ernähren, werden zunehmend neue Flächen landwirtschaftlich genutzt. Während Esch und Kamp als relativ fruchtbar beschrieben werden, handelt es sich beim Feld um erst in jüngerer Zeit in die Ackernutzung genommene Flächen, die als oft sehr trocken und mager beschrieben werden. Auf dem Feld werden dementsprechend Roggen und Lupinen angebaut .

Grünland

Wiesenschaumkrautwiese
Wiesenschaumkrautwiese

In den Niederungswiesen entlang der Fließgewässer wird seit Jahrhunderten Grünlandwirtschaft betrieben; auf den trockeneren Lagen als Viehweiden, auf den Überschwemmungslagen als Mähwiesen . Das Grünland wird 1929 als offene Landschaft beschrieben, in der sich Gehölze auf einzelne Weiden- und Erlenbüschel entlang der Fluß- und Grabenränder beschränken. An der Geestkante wird das Grünland oft von Erlenreihen, Grünland auf der Geest von Wallhecken aus Eichen, Buchen, Erlen, Haselsträuchern und andere Laubbaumarten begrenzt . Diese Wirtschaftsform ist heute jedoch inzwischen weitestgehend vom einträglicheren Ackerbau verdrängt worden, der erst durch die im 20. Jahrhundert aufgekommenen technischen Möglichkeiten und durch die bereits beschriebene Grundwasserabsenkung auch auf den feuchten Grünlandstandorten möglich wurde. Dementsprechend sieht man heute im Untersuchungsgebiet nur noch verhältnismäßig wenig, aber intensiv genutztes Dauergrünland.

Moor & Heide

Um 1900 waren nahezu alle Hoch- und Niedermoore, wie auch größere Heidegebiete ackerbaulich ungenutzt, weil sie auf Grund der Bodenverhältnisse für die Landwirtschaft uninteressant waren. 1900 macht der Ödlandanteil, einschließlich der Moorflächen, im Altkreis Hümmling noch 62,3 % der Gesamtfläche aus .

Das Moor wird in zwei Formen unterteilt: dem „Moor“ und der „Dose“. Dabei bezieht sich der Begriff „Moor“ auf das topogene Übergangs- und Niedermoor, das als Viehweide genutzt wird und stellenweise als fruchtbar beschrieben wird. Der Begriff „Dose“ bezieht sich auf die Hochmoorflächen, die ebenfalls als Weidefläche genutzt werden. Da BÖCKENHOFF-GREWING, J. (1929) schon zunehmende Heidebestände im Hochmoor beschreibt, kann davon ausgegangen werden, daß diese Flächen bereits stark anthropogen beeinflußt waren .

Neben der Plaggenwirtschaft war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts der Buchweizenanbau auf den Moorflächen weit verbreitet. Dieser verschwand jedoch schon Anfang des letzten Jahrhunderts fast vollständig . Im Bereich der Bockholter Dose st der Buchweizenanbau eher zu vernachlässigen, da er offenbar hauptsächlich nur zwischen 1860 und 1880 betrieben wurde .

Bockholter Dose
Bockholter Dose

Meine Augen, die gehen wohl hin und her
auf dem schwarzen, weißflockigen Moor,
auf dem braunen, grünschäumenden Heidemeer
und schweben zum Himmel empor.

(H. Löns)

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Schäfer auf dem Hümmling

Durch das starke Bevölkerungswachstum im Merkantilismus ab etwa dem 18. / 19. Jahrhundert (BIRG, H. (2004)) kam es zunehmend zu einer Übernutzung der mageren natürlichen Ressourcen, vor allem des Bodens, durch die starke Beweidung mit Schafen und das Plaggenschlagen. Dies führte neben den Eschflächen der Dörfer zu ausgedehnten, so genannten Ödlandlandflächen, welche wiederum intensiv zur Schafzucht und Imkerei, sonst aber nicht weiter genutzt werden konnten. Dieses Ödland wird als Mosaik aus Wehsandflächen, Holz-, Moor- und Kahlheiden beschrieben . 1864 gab es im alten Amt Hümmling 78.522 Schafe, also 116 Schafe pro 100 ha . Diese Form der intensiven Landwirtschaft bedingte bis Anfang des 20. Jahrhunderts viele weitgehend baumfreie Gebiete auf dem übernutzten Hümmling .

Der Wandel

Der Hümmling bis ca. 1950
Der Hümmling bis ca. 1950

Das Landschaftsbild ändert sich zunächst durch die Markenteilung, die seit den 1860er, 1870er Jahren in Angriff genommen wurde , da die Schafhaltung auf die unentgeltliche Nutzung der Marken angewiesen war und somit durch der Änderung der Besitzrechte unrentabel wurde. Seit den 1870er Jahren revolutionierten Kunstdünger und später auch die ersten Maschinen die traditionelle Landschaft. So wird 1885 die erste Dreschmaschine in Vrees angeschafft . Die weitere Technisierung folgte, wenn auch viele Landwirte erst ab den 1950er Jahren Trecker einsetzen konnten. So gab es im Altkreis Aschendorf-Hümmling 1954 gerade 0,4 Schlepper auf 100 ha (NLS (1954), S. 67).

Diese, ab der Jahrhundertwende immer schneller voranschreitende Entwicklung führt dazu, daß der KATH. KREISLEHRERVEREIN DES KREISES HÜMMLING bereits 1929 feststellt, daß „mit der Heide […] die Schafe fast ganz verschwunden [sind] und auch die [zuvor sehr zahlreichen] Bienenstände sind zu zählen“ (S. 232). Dies macht deutlich, daß Landwirtschaft und Landschaft auf dem Hümmling bereits um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert massive Veränderungen durchlaufen haben, die sich dann weiter beschleunigten.

Literatur

BIRG, H. (2004): Historische Entwicklung der Weltbevölkerung. In: BUNDESZENTRALE FÜR POLITISCHE BILDUNG: Informationen zur politischen Bildung (Heft 282), Bonn 2004

NIEDERSÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR LANDESPLANUNG UND STATISTIK (1954): Statistisches Jahrbuch für Niedersachsen 1954. Hannover

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