Populationsentwicklung beim Wolf – Fortschreibung für 2018/2019

Ich kann immer noch nicht verstehen, warum die DBBW, die „Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf“ die Nachmeldungen nicht auch auf der Startseite nachpflegt. Wer aber im Menü auf „Wolfsvorkommen“ klickt, sieht, dass die auf der Startseite veröffentlichten Zahlen von April 2018 längst überholt sind. Ich habe also beschlossen, meine Berechnungen aus dem letzten Jahr fort zuschreiben. Zumal sie knapp unter der im Anschluss festgestellten Population lag. Es wurden laut meiner Berechnung für das Monitoringjahr 2017/2018 in Deutschland 99 Territorien (Rudel und Paare) erwartet und schließlich 105 nachgewiesen.

Noch einmal zur Erinnerung:

Ich habe wieder das Programm vom European Bird Census, TRIM (TRends and Indices for Monitoring data) genutzt. Der Algorithmus geht davon aus, dass man nicht alle Daten haben kann und das jeder Kartierer unterschiedlich zählt. Also das, was man braucht, um aus mehr oder weniger vollständigen Daten Prognosen abzuleiten. Deshalb gibt es standardmäßig einen Fehlerkoeffizienten, der ebenfalls in der Graphik dargestellt wird. Die Graphik habe ich mit den Zahlen aus dem Programm in einem modernen Programm für Tabellenkalkulation graphisch aufbereitet, weil es sonst nicht sehr leserlich ist.

Um zu Antworten zu kommen, ohne sich auf die Aussagen der unterschiedlichsten Interessengruppen verlassen zu müssen, habe ich die öffentlich vorliegenden, bestätigten Daten vom DBBW, die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolfwww.wolfsmonitoring.com und www.lausitz-wolf.de einzeln nach Bundesländern und Jahren in die Software gefüttert. Ich habe mich bei der Berechnung allein auf die nachgewiesenen Territorien für das jeweilige Jahr beschränkt und diese je nach Bundesland eingegeben, weil in Deutschland natürlich jedes Bundesland anders zählt.

Will man aus diesen Zahlen, wie auch aus denen des DBBW, der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf Schlüsse für die Gegenwart ziehen, ist immer zu beachten, dass das Monitoringjahr für den Wolf vom 01.05. bis zum 30.04. festgelegt ist, d.h. immer die Daten des vorangegangen Kalenderjahres wiedergegeben werden. Das DBBW bezieht sich auf die geschlechtsreifen, territorialen Tiere, die per DNA nachgewiesen wurden zum Zeitpunkt 2017/2018 (also am 30.4.2018). Die Zahlen für das Monitoring-Jahr 2018/2019 sind im Herbst 2019 zu erwarten.

Es wurden Territorien (von Rudeln und Paaren, ohne Einzeltiere) herangezogen, weil ich davon ausgehe, dass es Energie kostet, ein Territorium zu etablieren, es sich also „lohnen“ muss und weil ich weiter davon ausgehe, dass der Nachweis eines Rudels (also der Reproduktion), in etlichen Gegenden Deutschlands eher ein Zufallsbefund ist. Die Einzeltiere wurden bei meiner Berechnung nicht berücksichtigt. Die Zahlen stammen bis 2017/2018 ausnahmslos vom DBBW; ab 2018/2019 wurden die Zahlen von www.wolfsmonitoring.com oder von www.lausitz-wolf.de herangezogen, weil die DBBW zu diesem Zeitraum nur unvollständige Daten angibt.

Bestätigte Rudel und Paare (ohne Einzeltiere) vom DBBW.
Jahr / LandBayernBrandenburgMecklenburg-VorpommernNiedersachsenSachsenSachsen-AnhaltThüringenSumme
2000/0100001001
2001/0200001001
2002/0300001001
2003/0400001001
2004/0500003003
2005/0600003003
2006/0700003003
2007/0801005006
2008/0902005108
2009/1003005109
2010/11050081014
2011/120701102020
2012/1301013115030
2013/1401125126036
2014/1501728159051
2015/160243101912068
2016/172284162012082
2017/1833872322110104
2018/19238 6252412 0107

Und nun?

Im Ergebnis kann man nach dieser Berechnung für 2018/19 mit etwa 135 Wolfsterritorien (inkl. der bereits nachgewiesenen) in Deutschland ausgehen +- 16, die bisher nicht erfasst wurden oder eventuell wieder verschwunden sind. Für das Monitoring-Jahr 2019/2020 erwartet TRIM schon etwa 170 Territorien (wobei der Fehler mit 23 hier schon deutlich höher angegeben wird). Weitere Daten (Chi-Quadrattest oder Signifikantstests für die Änderung der Entwicklungen (Changepoints)) sind der Graphik zu entnehmen.

Man rechnet pro Rudel mit ca. 10 Tieren (inkl. Welpen). Da auch Territorien von Wolfspaaren (also Territorien, in denen nur zwei Tiere nachgewiesen werden konnten) in die Berechnung einflossen, sollte man von 8 Tieren pro Rudel ausgehen, um die Territorien ohne Reproduktion mit anzubilden. Zu den zwei erwachsenen Tieren eines Territoriums rechnet man immer noch ein statistisches drittes erwachsenes Tier außerhalb des Rudels zu, um die Vagabunden ohne Territorium mit abzubilden. Es sind also zwei Größen für die Fragestellung zusätzlich zur Anzahl der Territorien relevant: Die statistisch zu erwartenden erwachsenen Tiere und die statistisch zu erwartende Gesamtzahl der Tiere (inkl. Welpen). Den Rest der Berechnung überlasse ich dem Leser, um sich ein Bild von der Population der in Deutschland lebenden Wölfe zu machen. Nur soviel; inkl. Welpen kann man 2018/2019 bei 135 Territorien von ca. 1.100 Wölfen in Deutschland, bzw. ohne Welpen von etwa 400 adulten Wölfen ausgehen (also Territorien x 3).

Trotz der Sterblichkeit der Tiere (v.a. Welpen und Jungtiere) reicht die Überlebensrate der Tiere immerhin für eine Expansion der Wolfsterritorien, wie wir sie aktuell in den letzten Jahren mit erleben; zwischen 2013/14 und 2017/18 entspricht das im Mittel einer jährlichen Zuwachsrate von rund 30 %, also einer Verdoppelung des nachgewiesenen Bestandes alle drei Jahre. Eine Expansion einer Art wie im Lehrbuch! Es bleibt also spannend!

Literatur / Datenquellen

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